Jahres bericht 2025
Editorial
Nähe heisst Augenhöhe
Freundliche Grüsse
Sibylle Ganz-Koechlin
Präsidentin Vorstand
Liebe Mitglieder
Liebe Spender*innen
Liebe Leser*innen
2025 durften wir bereits zum 10. Mal zu unserem Filmfestival FRAUENSTARK! in Basel einladen.
Dank dem Festival erleben wir jedes Jahr bereichernde Begegnungen, erhalten Einblick in uns oft
unbekannte Welten und erweitern unser Wissen. Wir schärfen auch unsere Sinne für
Neues, Ungewohntes und die Lebenswelten von Menschen in anderen Ländern.
Die Einladung zum FRAUENSTARK! versprach: «Mit den diesjährigen
Festival-Filmen schaffen wir Nähe, auch dort, wo uns grosse Distanzen und
kulturelle Unterschiede trennen». Diese Nähe schaffen wir auch, indem wir
genau hinhören. Was sind die Bedürfnisse unserer Partner*innen in den
Projekten? Wer hat die Definitionsmacht, wenn es beispielsweise um
«gendertransformative Ansätze» geht?
Wer bestimmt, was gendertransformativ im Alltag insbesondere der Frauen und
Mädchen in unseren Partnerländern bedeutet? Welche Massnahmen
unterstützen sie auf dem Weg in eine Gesellschaft, die allen Raum zur
Entfaltung lässt? Hören wir, was uns gesagt wird, oder bleiben wir in
unseren eigenen Vorstellungen verhaftet darüber, was emanzipiert,
emanzipatorisch und gerecht ist?
IAMANEH Schweiz hat als eine von über 40 Organisationen das Manifest
«Lokal verankert. Global vernetzt» für eine lokal verankerte
internationale Zusammenarbeit unterzeichnet. Noch treffender scheint mir der Titel
der englischen Version: «Locally owned. Globally backed».
«Owned» betont die Urheberschaft der Inhalte, ein «locally
owned» Projekt haben sich die Menschen zu eigen gemacht. «Globally
backed» heisst auch global unterstützt, nicht nur vernetzt.
Nähe heisst Augenhöhe, Gleichberechtigung in Entscheidungen, im
Ausdrücken von Bedürfnissen und in der Wahl der geeigneten Mittel.
Wie so oft in unserem Arbeitsumfeld werden wir mit Veränderungen konfrontiert
sein. Wir werden im Sinne des Manifests die Verletzlichsten dieser Welt ins Zentrum
stellen. Uns immer wieder hinterfragen; die Machtgefälle zwischen denen, welche
die finanziellen Mittel haben, und denjenigen, die sie empfangen, bestmöglich
sichtbar machen; mit diesen Ungleichheiten trotzdem so arbeiten, dass wir die
Verbündeten der lokalen Akteur*innen bleiben.
Ihnen danken wir herzlich, dass Sie auch diesen Weg mit uns gehen. Wir freuen uns
über den Austausch mit Ihnen.
Organisation
2025 war ein Jahr der Kontraste – geprägt von Rückschlägen in der internationalen
Zusammenarbeit, aber auch von ermutigenden Zeichen der Solidarität und konkreten Erfolgen in unserer
Arbeit.
Die internationale Entwicklungszusammenarbeit stand 2025 unter enormem Druck. Die drastischen Kürzungen bei
USAID haben Organisationen weltweit erschüttert. Auch einzelne unserer langjährigen Partner*innen
waren direkt betroffen und mussten Programme reduzieren.
In der Schweiz beschloss das Parlament, die Verteidigungsausgaben deutlich aufzustocken – unter anderem
auf Kosten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Für den Zeitraum 2025–2028 beläuft
sich der Beitrag für internationale Zusammenarbeit, welcher Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre
Hilfe umfasst, auf 11,1 Milliarden Franken. Das sind 151 Millionen weniger als vom Bundesrat beantragt und
weniger als für den Zeitraum 2021–2024. Diese Entwicklung ist besorgniserregend, gerade in einer
Zeit, in der die globalen Herausforderungen zunehmen.
Ein wichtiges Signal der Solidarität
Umso mehr freut es uns, dass es auch Lichtblicke gab. Im Mai stimmte das Parlament des Kantons Basel-Stadt
einem neuen Gesetz zur internationalen Zusammenarbeit zu. Das Gesetz ermöglicht künftig eine deutlich
stärkere Unterstützung von Organisationen wie IAMANEH Schweiz – ein wichtiges Signal der
internationalen Solidarität auf kantonaler Ebene.
Auch in unseren Programmen ging es voran. So haben wir zwei neue Projekte entwickelt: Im Senegal setzt sich
IAMANEH künftig für die Prävention von Gebärmutterhalskrebs ein, in Mali für die
Verminderung von Frühheiraten. Beide Projekte starten Anfang 2026 und stärken die Gesundheit und
Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen.
Schüler*innen diskutieren über Stereotypen
Ein besonderes Highlight war das 10-Jahre-Jubiläum des Filmfestivals Frauenstark im November. Mit einem vielfältigen Programm, über 570 Besucher*innen und Filmen aus Indien, Sambia, Südafrika, Äthiopien, Italien und Frankreich feierten wir diesen Meilenstein. Besonders erfolgreich waren die Schulvorstellungen: 196 Schüler*innen setzten sich anhand des Films „Sisterhood“ und im Gespräch mit Vinoth Tissaveerasingham vom Männnerbüro Basel mit Geschlechterstereotypen und geschlechtsspezifischer Gewalt auseinander.
Ein starkes Team und treue Unterstützung
Eine grosse Freude war für uns die Stabilität im Team: 2025 gab es keine personellen Wechsel. Wir
sind zusammengewachsen und gehen täglich mit grosser Motivation an unsere Arbeit – eine wichtige
Grundlage für die Qualität unserer Programme.
All dies wäre nicht möglich ohne die treue Unterstützung unserer privaten und institutionellen
Spenderinnen und Spender. Für die wertvolle Begleitung danken wir von Herzen.
Mit herzlichen Grüssen
Alexandra Nicola und Miriam Glass
Co-Geschäftsführerinnen IAMANEH Schweiz
Wer wir sind
Ziele, Werte, Wirkung
Unsere Vision ist eine gendergerechte Welt, in der alle Menschen – insbesondere Frauen und Mädchen – ein
selbstbestimmtes
Leben in Gesundheit, Würde und frei von Gewalt und Ausbeutung führen können.
Gemeinsam mit Partnerorganisationen in Westafrika und Südosteuropa stärken wir die sexuellen und
reproduktiven Rechte von Frauen, fördern den Zugang zur Gesundheitsversorgung und bekämpfen
geschlechtsspezifische Gewalt. Zudem setzen wir uns für gesetzliche Reformen zum besseren Schutz von
Betroffenen ein. Männer und Jungen beziehen wir aktiv in unsere Arbeit ein.
Sämtliche Projekte und Programme werden gemeinsam mit unseren Partner*innen und unter aktiver Einbindung
der betroffenen Gemeinschaften entwickelt, umgesetzt und getragen. Die Zusammenarbeit basiert auf
gegenseitigem Respekt und gemeinsamer Entscheidungsfindung. Die Bedürfnisse der Menschen in unseren
Projektgebieten stehen im Zentrum.
Der Verein IAMANEH Schweiz ist politisch und konfessionell unabhängig, als gemeinnützige Organisation
steuerbefreit und trägt das Zewo-Gütesiegel.
Wirkung messen, Kurs anpassen
Wir legen Wert darauf, die Wirkung unserer Projekte zu messen und auf Veränderungen zu reagieren.
Jede Partnerorganisation berichtet halbjährlich den programmatischen Fortschritt entlang eines
vereinbarten Umsetzungsplans. Die jährliche Berichterstattung zur Zielerreichung umfasst einen Abgleich
mit gemeinsam vordefinierten Zielwerten. Eine externe Evaluation am Ende jeder Projektphase bildet die
Basis für die Folgephase.
Die Projektverantwortlichen bei IAMANEH Schweiz reisen regelmässig in die Projektländer und stehen in kontinuierlichem Austausch mit den Partnerorganisationen. Dabei werden Anpassungen besprochen und anstehende Herausforderungen gemeinsam angegangen.
Beitrag an die Ziele der Agenda 2030
Unser Gesamtprogramm, das sich langfristige Ziele setzt, überprüfen wir jährlich zuhanden der Direktion
für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), die das Programm finanziell unterstützt. Dies geschieht in
Zusammenarbeit mit drei weiteren Organisationen, mit denen wir die «Alliance Gender Equality &
Health» bilden.
Die Allianz setzt sich dafür ein, gemeinsam mit lokalen Akteur*innen zentrale Ziele der UN-Agenda 2030
(Sustainable Development Goals) zu fördern: SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen), SDG 5
(Geschlechtergleichstellung) und SDG 16 (Friedliche und inklusive Gesellschaften).
Das haben wir 2025 gemeinsam erreicht:
108Frauen in Notsituationen erhielten im Schutzzentrum «Jigi Tugu» in Bamako (Mali) medizinische, psychosoziale und rechtliche Begleitung.
40geschulte Jugendliche leiteten mehr als 60 Informationsveranstaltungen zum Thema weibliche Genitalbeschneidung in Mali.
1035 Frauen in Kati und Kangaba (Mali) haben begonnen, eine eigene Parzelle mit biologischem Anbau zu bewirtschaften.
623neugeborene Mädchen in Senegal wurden von jugendlichen Pat*innen begleitet – keines von ihnen wurde beschnitten.
26Frauen fanden dank der Unterstützung des Frauenhauses SEH in Albanien eine Anstellung – ein wichtiger Schritt in ein selbstbestimmtes Leben.
Insgesamt 245gewaltausübende Männer wurden in Bosnien-Herzegowina und Albanien beraten und begleitet, um weitere Gewalt zu verhindern.
678Führungspersonen aus (religiösen) Gemeinschaften in Mali haben sich öffentlich gegen Frühheirat und Beschneidung ausgesprochen.
700 Personen in Mopti und Bandiagara (Mali) erhielten einen verbesserten Zugang zu Wasser.
In Burkina Faso nahmen 1280 Personen an Schulungen und Gesprächen zum Thema Menstruationshygiene teil.
156Frauen in Senegal konnten im Jahr 2025 durch die Arbeit in Kleinstunternehmen ihr Einkommen steigern.
In Albanien wurden Gesetzesbestimmungen zu digitaler Gewalt erarbeitet, die im Januar 2026 ins Gesetz aufgenommen wurden – ein Meilenstein.
52gefährdete Mädchen aus Roma-Gemeinschaften wurden 2025 durch ein Mentoringprogramm in Tuzla (Bosnien-Herzegowina) begleitet und schlossen das Schuljahr erfolgreich ab.
Vorstand und Team,
Projektkommission und Unterstützungskomitee
Stand Mai 2026
Team IAMANEH Schweiz
- Miriam Glass Co-Geschäftsführerin, Leiterin Kommunikation & Fundraising, 70%
- Alexandra Nicola Co-Geschäftsführerin, Leiterin Internationale Programme, 70%
- Nadja Sprenger-Lerch Verantwortliche Finanzen und Personal, 50%
- Selina Felber Programmverantwortliche Senegal und Burkina Faso, 70%
- Beate Kiefer Koordinatorin Institutionelles Fundraising, 30%
- Jessica Meister Verantwortliche Institutionelles Fundraising & Social Media, 50%
- Rebeca Revenga Becedas Programmverantwortliche Bosnien-Herzegowina und Albanien, 60%
- Jonas Röllin Verantwortlicher Projekte Südosteuropa / Monitoring & Evaluation, 70%
- Anna-Lena Ruff Assistenz Festival und Kommunikation, 20%
- Fatoumata Sangaré Programmverantwortliche Mali, 100%
- Ralph Smyth Verantwortlicher Büro Genf, Institutionelles Fundraising, 60%
- Marilyn Umurungi Fachexpertin Gender, Equity & Transformation, 40%
Koordinatorinnen in den Projektländern
- Amy Collé Mbaye Senegal
- Emina Pašić Bosnien-Herzegowina
- Elira Jorgoni Albanien
Vorstand
- Sibylle Ganz-Koechlin Bern, Geschäftsinhaberin von TripleT Training The Trainers, Präsidentin, im Vorstand seit 2019
- Sine Diagne Basel, Arbeitssoziologin und HR Leiterin Bundesverwaltungsgericht St. Gallen, im Vorstand ab Mai 2026
- Sandra Hürlimann-Bodoky Zofingen, Mitglied der Konzernleitung der Helvetia Versicherungen AG, Kassierin, im Vorstand seit 2020
- Eliane Proenca Matti Genf, Beraterin Internationale Zusammenarbeit, im Vorstand seit 2024
- Sarah Salzmann Basel, Advokatin bei Emplea AG, im Vorstand seit 2021
- Manuela Di Marco Hirtzfelden, Fundraising-Beraterin, im Vorstand seit 2025
- Leah Bohle Basel, Projektleiterin am Swiss TPH, im Vorstand seit 2025
Aus dem Vorstand ausgetreten sind per 7. Mai 2026
- Maya Natarajan Basel, Projektleiterin Soziales bei der Christoph Merian Stiftung, Vize-Präsidentin, im Vorstand seit 2020
- Gill Sivyer Genf, Global Leader International Development bei PricewaterhouseCoopers, im Vorstand seit 2020
Projektkommission
- Serena Owusua Dankwa Geschlechterforscherin und Dozentin für Sozialanthropologie an der Universität Basel
- Jana Gerold Public Health Expertin, Projekt Managerin am Swiss TPH
- Bettina Schucan-Birkhäuser Soziologin
- Esther Stebler Historikerin, Islamwissenschaftlerin und dipl. Pflegefachfrau (Austritt per Ende 2025)
- Clara Thierfelder Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Infektiologie
- Fabienne Thomas Co-Geschäftsführerin bei aeesuisse
- Danièle Schwarz Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe
Unterstützungskomitee
- Christoph Noelpp Jurist, Honorarkonsul von Mali, Basel
- Marcel Tanner Epidemiologe, Basel
- Hugo Wick Kinderarzt, Basel
Spenden
Wir danken unseren Mitgliedern und Spendenden ganz herzlich für ihre treue
Unterstützung.
Wir freuen uns über jedes Engagement.
Ein besonderer Dank gilt unseren Grossspendern im institutionellen Bereich (ab CHF 5'000):
- Christoph Merian Stiftung Basel
- Däster-Schild Stiftung Grenchen
- Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) Bern
- Dr. Ernst-Günther Bröder Stiftung Luzern
- Einwohnergemeinde Zug
- Fondation Dutmala Sion
- Fondation Gertrude Hirzel Genf
- Fondation La Marie-Maurice Granges
- Fondation Lord Michelham Genf
- Fondation Lusavi Carouge
- Fondation Philanthropique Famille Sandoz Pully
- Fondation Smartpeace Zürich
- Gemeinde Maur
- Gemeinde Küsnacht
- Gemeinde Vandoeuvres
- GGG Basel
- Glückskette Genf
- Kanton Aargau
- Kanton Basel-Landschaft
- Kanton Basel-Stadt
- Kanton Graubünden
- Kanton Thurgau
- Kanton Zürich
- Medicor Foundation Triesen
- Migros-Unterstützungsfonds Zürich
- Röm. Kath. Kirche Basel
- Somaha Stiftung Zürich
- Stadt Luzern
- Stadt Onex
- Stadt St. Gallen
- Stadt Zürich
- Stiftung Amaari Basel
- Stiftung Sanitas Davos
- Walter und Louise M. Davidson-Stiftung Zürich
- Zuger Frischkäse AG Oberbüren
Wir danken ganz herzlich für die Unterstützung durch Beratung, Mitarbeit und Sponsoring:
- Bureau de promotion de l'égalité et de prévention des violences du Canton de Genève
- Druckkollektiv Phoenix Basel
- KOKONEO, Grafik + Raum Basel
- Steudler Press AG Basel
Finanzen
Kommentar zur Jahresrechnung
Die Rechnungslegung von IAMANEH Schweiz erfolgt in Übereinstimmung mit den Fachempfehlungen zur Rechnungslegung
für gemeinnützige Organisationen SWISS GAAP FER 21.
Die vorliegende Version ist eine Zusammenfassung der ausführlicheren Jahresrechnung 2025 von IAMANEH Schweiz,
die bei der Geschäftsstelle bezogen oder von unserer Homepage www.iamaneh.ch heruntergeladen werden
kann. Sie gibt differenziert Auskunft
über die verschiedenen Aufwendungen. Dabei wurde der personalbezogene Aufwand den jeweiligen Dienstleistungen
zugeordnet und bildet somit die tatsächlichen Kosten dieser Dienstleistungen ab.
IAMANEH Schweiz hat im Jahr 2025 insgesamt CHF 2'409'883 für Projekte zugunsten von Frauen und Kindern
aufgewendet. Die Einnahmen aus zweckgebundenen Spenden beliefen sich auf CHF 2'287'501.
Finanziell war das Jahr herausfordernd: Sowohl die zweckgebundenen Einnahmen als auch die eingenommenen freien
Mittel sind gesunken. Wir schliessen mit einem negativen Betriebsergebnis ab. Das zweckgebundene Fondskapital
verzeichnet eine Abnahme von CHF 104'850 auf insgesamt CHF 633'301. Die Jahresrechnung schliesst nach
Veränderung des Fondskapitals mit einem Verlust von CHF 5'059.
Iamaneh Schweiz weist jedoch nach wie vor eine solide Finanzbasis auf. Das Organisationskapital deckt zusammen
mit dem Fondskapital gut 6 Monate des Gesamtaufwands und erfüllt damit den Zewo-Standard 11. Das
Organisationskapital beträgt neu CHF 1'030'337 und deckt 56% der Bilanzsumme.
Wir möchten an dieser Stelle all unseren Partner*innen, Gönnerinnen und Gönnern und Spendenden für ihr Vertrauen
danken. Zusammen mit Beiträgen von Stiftungen, Kantonen, Gemeinden, Kirchen, der Glückskette und einem namhaften
Programmbeitrag der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ermöglicht diese treue Unterstützung,
dass wir unsere Projekte und Partnerschaften weiterentwickeln und stärken können. Dafür danken wir von Herzen.
IAMANEH Schweiz