Westafrika • Burkina Faso

Burkina Faso

Burkina Faso befindet sich in einer tiefgreifenden humanitären und sicherheitspolitischen Krise, die nahezu alle Lebensbereiche prägt. Auch 2025 blieben Unsicherheit, Vertreibung und der eingeschränkte Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen zentrale Herausforderungen. Besonders betroffen sind Frauen, Jugendliche und Kinder, deren Alltag von Gewalt, prekären Lebensbedingungen und unterbrochenen Bildungswegen geprägt ist.

Politisch blieb das Land 2025 vom Übergangsregime unter Hauptmann Ibrahim Traoré geprägt, das Sicherheit, territoriale Kontrolle und nationale Souveränität ins Zentrum stellt. Gleichzeitig veränderte sich der institutionelle Rahmen für Fragen zu Familie, Geschlecht und Rechten. Mit dem neuen Familiengesetz, das im September 2025 verabschiedet wurde, gilt für Frauen und Männer neu ein einheitliches Heiratsalter von 18 Jahren - zuvor lag es für Frauen bei 17, für Männer bei 20. Richterliche Ausnahmen bleiben möglich. Religiöse und traditionelle Ehen werden rechtlich aufgewertet; Homosexualität hingegen wurde erstmals unter Strafe gestellt – mit Haftstrafen von bis zu fünf Jahren. Diese Entwicklungen markieren eine Verschiebung in der Familien- und Gesellschaftspolitik, die die Arbeit für Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte zunehmend unter Druck setzt.

Die humanitäre Krise wirkt sich direkt auf Gesundheit und Bildung aus. Rund 20 Prozent der Bildungseinrichtungen in Burkina Faso waren 2025 wegen Unsicherheit geschlossen. Auch die Gesundheitsversorgung bleibt vielerorts fragil, Zahlreiche Gesundheitseinrichtungen sind nur eingeschränkt oder gar nicht funktionsfähig. Viele Jugendliche haben nur begrenzten Zugang zu jugendgerechten Informationen und Dienstleistungen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit.

Für Mädchen und junge Frauen hat diese Situation besonders gravierende Folgen. Menstruationsgesundheit bleibt ein stark vernachlässigtes Thema, obwohl sie eng mit Bildung, Gesundheit, Würde und Geschlechtergerechtigkeit verknüpft ist. Fehlende sanitäre Infrastruktur in Schulen, unzureichender Zugang zu Wasser sowie die hohen Kosten von Menstruationsprodukten führen dazu, dass viele Mädchen während ihrer Menstruation dem Unterricht fernbleiben. Hinzu kommen Scham, Tabus und fehlende Gesprächsräume, die verhindern, dass Menstruation als Gesundheits- und Bildungsthema offen behandelt wird.

Geschlechtsspezifische Gewalt bleibt ein gravierendes Problem, verschärft durch Vertreibung, Armut und Unsicherheit. Schutzmechanismen sind vielerorts lückenhaft. Trotz dieser schwierigen Ausgangslage zeigen bestehende lokale Initiativen, dass Veränderung möglich ist, insbesondere dort, wo Jugendliche, Schulen, Gesundheitsdienste und lokale Autoritäten gemeinsam an Prävention und Schutz arbeiten.

BurkinaFaso

Projekte

Sexualaufklärung an Schulen
Auch im letzten Projektjahr erreichte unsere Partnerorganisation PADESEC in Kaya viele Jugendliche mit verlässlichen Informationen zu Sexualität, Gesundheit und Familienleben. In 16 Schulen und Ausbildungszentren fürten geschulte Jugendliche 1'264 Gesprächsrunden durch und erreichten damit 8'374 Gleichaltrige. So wurden Themen ansprechbar, über die oft aus Scham oder Unsicherheit geschwiegen wird.
Gleichzeitig nahmen 1'267 Eltern an Dialogveranstaltungen teil, die den Austausch in den Familien stärkten und halfen, Tabus rund um Sexualität und reproduktive Gesundheit abzubauen. Im Jugendzentrum von PADESEC erhielten zudem 94 Schüler*innen schulische Unterstützung und damit einen sicheren Ort, um zu lernen und sich schulisch und persönlich zu entwickeln. Fast ein Drittel der erreichten Jugendlichen gibt an, heute gesündere und verantwortungsvollere Entscheidungen zu treffen.

Projektkosten*: CHF 88'400

Burkina Faso Sexualaufklärung an Schulen

Ohne Scham und Vorurteile über Menstruation sprechen
Menstruationsgesundheit bleibt in Burkina Faso für viele Mädchen und Frauen eine grosse Herausforderung. In der neuen Projektphase bauen unsere Partnerorganisationen OJUSEG und PADESEC diese Arbeit gemeinsam mit RHOBERIS gezielt aus. Im ersten Halbjahr 2025 nahmen 1'280 Personen an Schulungen, Gesprächen und Sensibilisierungsaktivitäten teil, darunter 630 Schüler*innen, 329 Eltern sowie 58 Vertreter*innen von Schulen und lokalen Organisationen.
Neu begleitet das Projekt zudem 16 Frauen bei der Herstellung wiederverwendbarer Menstruationsprodukte. Sie verfügen heute über das Wissen, um die Herstellung wirtschaftlich tragfähig zu organisieren und damit ein eigenes Einkommen zu sichern. Gleichzeitig verbessert sich so der Zugang zu erschwinglichen Menstruationsbinden, und damit die Chance, dass Mädchen auch während ihrer Menstruation zur Schule gehen können.

Projektkosten*: CHF 58'500

Burkina Faso Menstruationsgesundheit

*gerundet, mit Kofinanzierung DEZA

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