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Mali

Mali kämpft seit über einem Jahrzehnt mit politischer Instabilität, einer schwelenden Sicherheitskrise im Norden und Zentrum sowie den Folgen des Klimawandels. Das Land hat eine reiche Kulturgeschichte und bedeutende Bodenschätze, doch die Lage eines grossen Teils der Bevölkerung – insbesondere der Frauen und Mädchen – ist von grosser Verwundbarkeit geprägt.

2025 verschärfte sich die Krise auf mehreren Ebenen. Dschihadistische Gruppen griffen ab September systematisch Versorgungskonvois an, legten die wichtigsten Nachschubrouten nach Bamako lahm und lösten damit eine schwere Treibstoffkrise aus. Politisch setzte die Übergangsregierung ihren autoritären Kurs fort — Parteien wurden aufgelöst, Oppositionelle verhaftet oder ins Exil gedrängt und ein fünfjähriges Übergangsmandat festgelegt. Im Dezember 2025 stärkte Mali seine Rolle in der Konföderation der Sahel-Staaten (AES) durch einen historischen Ministerratsgipfel mit Burkina Faso und Niger.

Die Sicherheitslage bleibt trotz intensivierter Militäroperationen der malischen Streitkräfte angespannt. Die humanitäre Lage ist kritisch: Hilfe erreicht nur 97 der 159 Verwaltungskreise, fast eine Million Kinder haben keinen Schulzugang, und 1,2 Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit betroffen.

Die Lage von Frauen und Mädchen bleibt von struktureller Ungleichheit geprägt: Mehr als jede dritte Frau ist von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen, über die Hälfte der Mädchen wird vor dem 18. Lebensjahr verheiratet, und weibliche Genitalbeschneidung ist in vielen Regionen weit verbreitet. Die anhaltende Sicherheitskrise verschärft die Situation zusätzlich.

Zugleich gibt es einen bedeutenden Fortschritt: Das neue Strafgesetzbuch, in Kraft seit Dezember 2024, stellt erstmals psychische und sexuelle Belästigung, sexuelle Übergriffe und Femizid explizit unter Strafe und weitet den Vergewaltigungsbegriff aus. Damit wurde eine langjährige Forderung der Zivilgesellschaft erfüllt. Die Umsetzung bleibt jedoch schwierig: Der Zugang zu Schutzangeboten ist begrenzt, und Kürzungen internationaler Hilfsgelder haben zehntausenden Frauen den Zugang zu Schutzprogrammen entzogen. Malische Frauenorganisationen setzen ihr Engagement trotz dieser Widrigkeiten fort.

Mali

Projekte

Resilienz gegen Klimawandel und Gewalt
In Mopti und Bandiagara stärkt das Projekt unserer Partnerorganisation YAGTU Frauen wirtschaftlich, schützt sie vor Gewalt und unterstützt sie dabei, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen.
Zur wirtschaftlichen Stärkung trugen unter anderem die Holzkohleproduktion bei, an der 150 Frauen beteiligt waren, sowie die Schulung von 320 Gärtnerinnen in klimaangepassten Techniken. Infrastruktur aus dem ersten Projektjahr verbesserte den Wasserzugang für rund 700 Personen und unterstützte die wirtschaftliche Tätigkeit von 170 Frauen. 30 dafür ausgebildete Frauen bauten 236 verbesserte Kochstellen.
Sensibilisierungsaktivitäten zu geschlechtsspezifischer Gewalt und Klimawandel erreichten über 10'350 Personen. Vier Anlaufstellen bieten psychosoziale Begleitung für Gewaltbetroffene an. 79 Fälle wurden an medizinische und juristische Dienste weiterverwiesen, 11 Betroffene erstatteten Anzeige. 19 Frauen wurden vorübergehend an einem geschützten Ort untergebracht, 12 von ihnen erhielten Unterstützung für ihre wirtschaftliche Eingliederung.
Das Projekt macht deutlich, dass wirtschaftliche Stärkung und klimaangepasste Landwirtschaft am stärksten wirken, wenn sie zusammen gedacht werden.

Projektkosten*: CHF 109'500.–

Mali Gemeinsam gegen weibliche Genitalbeschneidung

Generation ohne Mädchenbeschneidung
In Mali gibt es bisher kein Gesetz, das die weibliche Genitalbeschneidung (FGC) verbietet, trotz ihrer dramatischen Folgen für Mädchen und Frauen. In sechs Gemeinden der Regionen Ségou und Koutiala setzen Jugendliche im Rahmen des Projekts ein Zeichen gegen diese Menschenrechtsverletzung. Sie informieren Gleichaltrige umfassend über Hintergründe, Risiken und Folgen von FGC, führen Gemeinschaftsgespräche und nutzen soziale Medien, um Tabus zu brechen.
2025 erhielten 466 Jugendliche verlässliche Informationen über FGC. 40 jugendliche Mitglieder der durch die Partnerorganisation AJCAD ins Leben gerufene Clubs für aktive Bürgerschaft wurden geschult und leiteten mehr als 60 Informationsveranstaltungen. Eine Medien- und Digitalkampagne erreichte über 880'000 Personen. Medienschaffende wurden gezielt mit Informationen versorgt. In Schulen fanden 12 Filmdebatten statt, und traditionelle Kommunikatoren mobilisierten rund 200 Personen zu sechs Lobbygesprächen mit lokalen und religiösen Autoritäten.
Diese Dynamik trägt Früchte: Jugendliche sprechen heute offen über ein lange tabuisiertes Thema – in ihren Gemeinden und online. Projektkosten*: CHF 99'100.-

Mali Gemeinsam gegen weibliche Genitalbeschneidung

Religionen und Frauenrechte
Das Projekt unserer Partnerorganisation RIPOD mobilisiert 20 Dörfer in den Gemeinden Pelengana und Barouli, um Frauenrechte durch die Einbindung religiöser und kommunaler Führungspersonen zu fördern. Podiumsdiskussionen, Sensibilisierungsaktivitäten über digitale Medien, Radio und Foren, Fachschulungen und finanzielle Unterstützung erreichten 2025 insgesamt 20'112 Personen, Muslim*innen ebenso wie Christ*innen.
678 religiöse und kommunale Führungspersonen in 19 der 20 Projektdörfer haben sich öffentlich gegen Frühheirat und Beschneidung ausgesprochen. Die Ausarbeitung und Verbreitung einer Fatwa gegen geschlechtsspezifische Gewalt markiert einen Meilenstein, indem Religion gezielt als Hebel für sozialen Wandel genutzt wird. Die Abschlussevaluierung zeigt, dass 80% der Teilnehmenden ein besseres Verständnis der behandelten Themen erworben haben und 95% der ausgebildeten Frauen nun geschlechtsbasierte Gewalt ablehnen und bereit sind, Missbrauch zu melden.

Projektkosten*: CHF 78'900.-

Frauen stärken durch biologischen Gartenbau
In Mali sind Frauen besonders stark von Ernährungsunsicherheit und Klimawandel betroffen. Ihr Zugang zu Land, Einkommen und Gesundheitsversorgung ist eingeschränkt. Das Projekt der Partnerorganisation GRDR stärkt mit biologischem Gartenbau die wirtschaftliche Selbstständigkeit von Frauen und damit auch ihre Handlungsmacht in der Familie und beim Zugang zu Gesundheit.
Bereits im ersten Projektjahr bewirtschafteten 1'035 von 1'200 Frauen aus 20 Kooperativen ihre eigene Parzelle; die Einkommen in den Kooperativen sind gestiegen. Fünf Bewässerungssysteme sind in Betrieb und werden von lokalen Komitees verwaltet. 735 Frauen und 98 Männer erhielten Schulungen in agrarökologischen Techniken. 360 Frauen wurden in Vermarktung und Finanzführung ausgebildet – 90 % von ihnen verkaufen bereits ihre Produkte.
Das Projekt verbindet Landwirtschaft mit Gesundheit: 340 Personen wurden zum Thema reproduktive Gesundheit sensibilisiert. Trotz Verzögerungen durch die schwierige Sicherheitslage konnte die Zusammenarbeit mit sechs Gesundheitszentren in Kati und Kangaba formalisiert werden. Ziel ist ein verbesserter Zugang zu Versorgung, insbesondere zu Familienplanung und Gebärmutterhalskrebsvorsorge.

Projektkosten*: CHF 90'300.–

Frauen stärken durch biologischen Gartenbau

Gemeinschaften engagieren sich für die Rechte ihrer Kinder
In Malis Hauptstadt Bamako arbeiten Mädchen und junge Frauen oft unter ausbeuterischen Bedingungen als Haushaltshelferinnen. Die im Dezember 2025 abgeschlossene Projektphase unserer Partnerorganisation APSEF schützte sie vor Ort – und setzte zugleich in der Herkunftsregion Dioïla an, damit Mädchen gar nicht erst in diese Situation geraten.
Die Ergebnisse in Bamako sprechen für sich: 84% der in den drei Projektjahren erreichten Haushaltshelferinnen kennen heute ihre sexuellen Rechte und wissen, wie sie sich vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen können. Gesundheitsdienste wurden um über 26% häufiger in Anspruch genommen. 108 Frauen in Notsituationen – darunter viele Gewaltbetroffene – erhielten 2025 im Schutzzentrum «Jigi Tugu» medizinische, psychosoziale und rechtliche Begleitung, über die gesamte Projektlaufzeit waren es 193.
In den Herkunftsdörfern zeigen sich ebenfalls deutliche Fortschritte: 30 Dörfer ergriffen Massnahmen gegen die Migration von Mädchen unter 15 Jahren und gegen Frühheiraten. Laut dem Bürgermeister von Benkadi ist die Migration von Mädchen unter 18 Jahren stark gesunken. Kinderschutzkomitees und ein Netz von Schutzmüttern sorgen dafür, dass diese Veränderungen über die aktuelle Projektphase hinaus wirken.

Projektkosten*: CHF 174'900.-

Mali Mädchen und junge Frauen vor Gewalt schützen

Familienplanung und innovative Landwirtschaft in Mali
In Mali entscheiden oft Männer darüber, ob Frauen Verhütungsmittel nutzen dürfen. Dabei ist Familienplanung eng verbunden mit wirtschaftlichen und gesundheitlichen Themen: Zu frühe oder zu eng aufeinanderfolgende Schwangerschaften gefährden Mütter und Kinder – und halten Frauen von Bildung und Erwerbsarbeit fern. Das Projekt unserer Partnerorganisation Ya-g-tu bezieht Männer aktiv ein und stärkt die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen, damit sie selbstbestimmt über ihre Gesundheit entscheiden können.
2025 wurden über 6'800 Männer mit Bildungsgesprächen und Theaterstücken erreicht. 897 Personen liessen sich zu Familienplanung beraten, 325 Ehepaare erhielten Coaching für gemeinsame Entscheidungen. Verhütungsmittel sind in 39 Verkaufsstellen in Dörfern und Gesundheitszentren verfügbar. 944 Frauen produzierten im Rahmen des Projekts gemeinsam 3,6 Tonnen Knoblauch und stärkten damit ihr Einkommen sowie ihre Autonomie in Familie und Gesellschaft.
Das Projekt setzt auf zwei Hebel: Wirtschaftlich gestärkte Frauen gewinnen Handlungsspielraum — und Männer, die die Vorteile von Familienplanung erkennen, teilen Verantwortung und lassen diesen Spielraum zu. Erst beides zusammen ermöglicht nachhaltige Veränderung.

Projektkosten*: CHF 66'700.-

Mali Familienplanung und innovative Landwirtschaft

Respektvolle Geburtshilfe und Schutz vor Geburtsfisteln
Geburtsfisteln – Risse zwischen Darm oder Blase und Vagina – entstehen häufig durch Geburtskomplikationen. Das Risiko steigt, wenn Frauen keine angemessene Betreuung erhalten oder Gesundheitseinrichtungen aus Angst vor schlechter Behandlung meiden. Respektvolle Geburtshilfe setzt hier an: Sie nimmt die Bedürfnisse der Gebärenden ernst – etwa bei der Wahl der Geburtsposition oder der Begleitung durch eine Vertrauensperson.
Das Projekt unserer Partnerorganisation IAMANEH Mali trägt dazu bei, Geburten in der Region Ségou und in einer Gemeinde in Bamako sicherer zu machen und die Müttersterblichkeit zu senken – durch verbesserte medizinische Betreuung, respektvolle Geburtshilfe und Schulung des Gesundheitspersonals.
Die Fortschritte 2025 sind deutlich: 1'160 Frauen, das sind 12 Prozent aller Geburten in den Geburtsstationen des Projektgebiets, gebaren in alternativen Positionen statt in der üblichen Rückenlage — gegenüber 160 im Vorjahr. 9'444 Frauen erhielten mindestens eine Vorsorgeuntersuchung, und 6'838 Geburten wurden von einer Begleitperson unterstützt. 94 Gesundheits- und Gemeindebehörden verpflichteten sich zur Förderung respektvoller Geburtshilfe und entwickelten ein Kooperationsprotokoll. Bei der Fistelbehandlung wurden 32 von 35 geplanten Operationen durchgeführt, mit einer Erfolgsquote von 91%.

Projektkosten*: CHF 110'200.-

Mali Familienplanung und innovative Landwirtschaft

*gerundet, mit Kofinanzierung DEZA

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